Görlitz
Görlitz, die Stadt der Türme und die östlichste Stadt Deutschlands,
liegt auf dem 15. Meridian
Geschichte der Stadt
Görlitz
und der via regia
Der Historiker Karlheinz Blaschke sagte einmal:"Am
Anfang aller Stadtgeschichte war die Straße." Und das trifft auch auf Görlitz
zu.
Die via regia
(Historiker
Karlheinz Blaschke)
Zu den ältesten Verkehrsverbindungen zwischen West- und
Osteuropa gehört die via regia. Sie war.
eine Teilstrecke der kontinentalen Handelsstraße von Santiago de
Compostela in Spanien über Frankreich, Deutschland, Polen bis nach Kiew in der
Ukraine.
Die via regia wurde seit dem 10. Jahrhundert zum Wegbereiter der Besiedlung
östlich der Elbe. An dieser Fernhandelsstraße entstanden 958 Bautzen, 1071 Görlitz, 1220 Lauban.
Von allen Städten an der via regia wurde Görlitz durch das Stapelrecht (insbesondere Waid), den Straßenzwang und das Recht, Straßenzölle
zu erheben, eine sehr vermögende und einflussreiche Stadt. Alle Waren mussten auf den von der Stadt gebotenen
Wegen transportiert, in Görlitz abgeladen, gewogen und feilgeboten werden.
Es entwickelte sich eine starke Kaufmannszunft. Großzügig gebaute Häuser auf dem Untermarkt, der Peterstraße und der Neißstraße aus dem 15. und 16 Jahrhundert sind historische Zeugnisse dieser
Entwicklung. Handelsplatz war der Untermarkt.
Zur Gewährleistung der Sicherheit auf' der via regia stellten die Städte den Händlern gegen Bezahlung Begleitung
bereit. Als Schutzbündnis gegen Mörder und Räuber wurde 1346 der
Sechsstädtebund der Städte Kamenz, Bautzen, Löbau, Görlitz, Lauban und Zittau gegründet.
Im frühen Mittelalter waren Fernhandelsstraßen unbefestigte Feld- und Waldwege. Mit zunehmendem
Handel mussten Straßen befestigt und in der Breite den wachsenden Anforderungen des Güter- und
Personenverkehrs gerecht sowie Brücken gebaut werden. Von den Landesfürsten wurden bereits im 13.
Jahrhundert Vorschriften für den Straßenbau erlassen. Eine mittelalterliche Straße musste 16 Schuh (ca. 4,5 m bis 5 m) oder so breit sein, dass 3 Pferde nebeneinander gehen konnten. Sie galt als vortrefflich, wenn ein Brautwagen einem Leichenwagen ausweichen konnte. In Görlitz wird ein Brückenbau über die Neiße ab 1130 angenommen. 1376 wird eine Brücke erstmals urkundlich erwähnt. Es kann angenommen werden,
dass zwischen Leipzig und Breslau jährlich etwa 3000 Wagen auf dieser Fernstraße gefahren sind.
Unter
Napoleon begann Anfang des 19. Jahrhunderts der chausseemäßige Ausbau der via regia, die er als Heeresstraße für seinem Feldzug gegen
Rußland benutzte.
Laut Eintragung im Stadtbuch verlief die Straßenführung der via regia in Görlitz nach
1475 über Bautzener Straße - Reichenbacher Tor — Obermarkt - Brüderstraße - Untermarkt - Neißstraße - Neißebrücke.
Keine Straße in Deutschland ist in dieser Dimension und in historischer Vielfalt mit der via regia
vergleichbar. Sie hat Zeiten mühevoller Gestaltung, Heereszüge in Kriegszeiten und Perioden eines rasanten wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs erlebt. Es ist Aufgabe unserer Zeit, die Vergangenheit: der via regia im Handel, in der Kultur, in der Kunst, im Handwerk sowie ihre reizende wechselvolle Landschaft für die Zukunft touristisch erlebbar zu machen. Auf der Straße
begegnen wir Persönlichkeiten, die Europa maßgeblich mitgestaltet haben.