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Echter Eibisch
Der Echte Eibisch (Althaéa officinalis), auch Samtapfel genannt, ist eine aufrechte Staude mit kräftigen Stängeln, die außerdem eine wertvolle Bienenfutterpflanze ist. Er gehört zur Familie der Malvengewächse. Der botanische Name „althaea“ leitet sich von dem griechischen Wort „altho“ ab und bedeutet soviel wie heilen. Im Volksmund heißt die Pflanze auch „Adewurz“, „Alter Thee“, „Weiße Malve“ oder „Schleimwurzel“. Das Wort Malve stammt aus dem Griechischen „malakos“ und heißt weich und beruhigend. Es bezieht sich auf die reizmildernden, schützenden Eigenschaften der Pflanze. Brandwunden, Zahnschmerzen, Durchfall - in der Antike galt der Echte Eibisch nahezu als Allheilmittel.
Heut werden die schleimstoffreichen Wurzeln und Blätter vor allem gegen trockenen Reizhusten und Halsschmerzen sowie bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.

Echter Eibisch stammt ursprünglich aus Asien, vermutlich aus der Gegend um das Kaspische, das Schwarze und das östliche Mittelmeer. Wild wächst die mehrjährige Staude auf trockenen und feuchten Böden in warmen Lagen, aber auch auf Salzwiesen und Brackröhrichten, in Deutschland, zum Beispiel an der Ostseeküste. Die imposante Pflanze wird bis über einen Meter groß und gehörte früher in jeden Kloster- und Bauerngarten. Ihre Stängel sind meist unverzweigt, an der Basis verholzt und ebenso wie die Blätter samtig-filzig behaart. Die Blätter sind drei- bis fünflappig und unregelmäßig gezähnt. Eibisch blüht von Juli bis September, seine rosa bis weißen Blüten mit samtig behaartem Kelch stehen in end- oder achselständigen Trauben.
Da der Echte Eibisch in der Natur sehr selten vorkommt und
in Deutschland daher unter Naturschutz steht, sind Wildsammlungen verboten. Kultiviert wird Echter Eibisch vor allem in Osteuropa.

Nach zwei Jahren werden die Pflanzen gemäht, ihre bis zu einem halben Meter langen Wurzeln ausgegraben und gereinigt. Die Wurzeln sind faserig, teilweise in sich verdreht und längs gefurcht. Ist die Hauptwurzel verholzt, wird sie entfernt. Die circa zwei Zentimeter dicken Nebenwurzeln werden in etwa 20 Zentimeter lange Stücke geschnitten, dickere Wurzeln längs gespalten. Sie trocknen an der Luft oder bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad. Es gibt zwei Handelssorten: die ungeschälte Wurzel (Althaeae radix naturalis) und die geschälte Wurzel (Althaeae radix mundata), bei der die Rinde vor der Trocknung entfernt wurde. Die Monographie des Europäischen Arzneibuchs erlaubt beide Sorten, die geschälte und die ungeschälte. Die Wurzelstücke schmecken süßlich und setzen beim Kauen Schleim frei. Ist die Droge überaltert oder wurde sie zu feucht gelagert, riecht sie säuerlich. Dieser Geruch entsteht durch die enzymatische Zersetzung des Schleims. Die frisch ausgegrabene Wurzel muss sehr schnell trocknen, damit sie nicht schimmelt.

Eine übliche Zubereitungsart ist der Eibischsirup. Wegen des hohen Zuckergehalts ist er allerdings nur kurz haltbar, Diabetiker sollten den Gehalt an Kohlenhydraten berücksichtigen. Für die Herstellung empfiehlt der Deutsche Arzneimittel Codex Eibischwurzel mit kaltem Wasser zu übergießen und zwei Stunden lang unter häufigem Rühren zu mazerieren. Anschließend wird das Mazerat mit Zucker versetzt, kurz aufgekocht und noch heiß koliert. Danach werden Ethanol und Konservierungsmittel zugesetzt. Das Erhitzen auf über 60 °C zerstört den Schleim teilweise. Dennoch ist dies wichtig, um den Keimgehalt zu reduzieren. Technisch hergestellte Extrakte gewinnt man durch Perkolation oder Mazeration bei Temperaturen unter 40 °C. Dadurch wird vermieden, dass sich Stärke löst und der Extrakt eindickt.

Verwendung

Die lindernde Wirkung von Wurzeln und Blättern bei gereizten Schleimhäuten ist anerkannt. Die Eibisch-Blätter können zur Linderung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten und für die Eibischwurzel zusätzlich die Linderung bei leichten Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) verwendet werden. Die enthaltenen Schleimstoffe sollen sich wie ein Film über die Schleimhaut legen und sie so vor Reizungen schützen. Auf diese Weise wird der Hustenreiz unterdrückt und auch die Schleimhaut des Magens geschützt. Für einen Tee aus Eibischblättern übergießt man ein bis zwei Gramm Droge, das entspricht in etwa zwei Teelöffeln, mit circa 150 ml heißem Wasser und lässt den Aufguss zehn Minuten ziehen. Als Tagesdosis gelten 5 Gramm Droge.
Bei leicht entzündeter Haut helfen Eibischzubereitungen als Kompresse (Kataplasma). Die Volksmedizin verwendet Eibisch außerdem gegen Entzündungen in der Mundhöhle, Insektenstiche, Durchfall oder Verstopfung. Nebenwirkungen sind bei Eibisch unbekannt, Wechselwirkungen hingegen möglich, denn der Schleim kann die Resorption anderer Arzneimittel verzögern. Daher sollten die Patienten Eibischzubereitungen zeitversetzt zu Medikamenten einnehmen.
Zahnenden Kleinkindern gab man übrigens früher die Wurzel zum Kauen; getrocknete Wurzelstücke gelten als die ältesten Hustenbonbons.
Heilend soll auch der Tee wirken, der als Kaltauszug aus der Wurzel zubereitet wird. Drei Teelöffel Wurzel werden mit kaltem Wasser übergossen und acht Stunden stehen gelassen. Nur leicht erwärmt trinken. Er hilft bei Erkrankungen der Atemwege und der Harnorgane sowie bei Magen und Darmkatarrhen. Äußerlich angewendet wird der Kaltwasserauszug als Gurgelwasser und zu Umschlägen bei Hautkrankheiten verwendet. Eibischextrakte werden auch in Hautkosmetika verwendet.

Seite erstellt: 03.08.06