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Ich, MF
 
Eine meiner Lieblingserzählungen!

Ich trage tausend Masken

Bitte höre, was ich nicht sage! Lass dich nicht von mir narren. Lass dich nicht durch das Ge­sicht täuschen, das ich mache. Denn ich trage tausend Masken - Masken, die ich fürchte abzulegen. Und keine davon bin ich.

Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles sonnig und heiter in mir, so als brauchte ich niemanden.

Aber glaub mir, bitte glaub mir nicht! Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist eine Maske. Darunter ist nichts Entsprechendes. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin ... aber ich verberge das. Ich möchte, dass es irgend jemand merkt. Gerade deshalb erfinde ich Masken, hinter denen ich mich verbergen kann, die mich sichern gegen den Blick, der um alles weiß. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Wenn er verbunden wäre mit Angenommenwerden, mit Liebe. Das ist das einzige, das mir Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: dass ich wirklich etwas wert bin.

Aber das sage ich dir nicht. Ich wage es nicht. Ich fürchte, du wirst gering über mich denken und über mich lachen - und dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir selbst nichts bin und nichts wert.

So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: Eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen.

Tobias Bracher (zeitgenössischer Autor)