Zur Orientierung: 
 
Home>Naturkatastrophen>
 Vulkanismus

 


Naturkatastrophen
Vulkanismus
 

Geschmolzenes Gestein steigt aus dem Erdinnern nach oben, da es weniger dicht ist als das umgebende Gestein. Es bildet in der Lithosphäre, der äußeren und erkalteten Schale der Erde, Magmakammern (Magmakammern entstehen also in den Schwächezonen der Erdkruste.) und gelangt von dort an die Oberfläche. Diesen Prozess nennt man Vulkanismus. Dazu zählt auch der Austritt fester und gasförmiger Stoffe an der Erdoberfläche. Diese besteht größtenteils aus vulkanischem Gestein. Die bekannteste Erscheinungsform des Vulkanismus sind die kegelförmigen Vulkanberge.
Magmakammern werden auch als Vulkanherd bezeichnet. Das Magma steigt aus der Tiefe der Schwächezonen der Erdkruste und bildet dort mehr oder weniger große Magmakammern. Von hier bezieht ein  Vulkan schließlich seine Schmelze und Gase. Magmakammern können in sehr unterschiedlichen Tiefen der Erdkruste entstehen.
Magma ist aufgeschmolzenes Gestein im Innern der Erde (von griechisch mágma = geknetete Masse). Wenn es durch einen  Vulkan an der Erdoberfläche austritt, wird es als Lava bezeichnet. Die Schmelzen haben Temperaturen von rund 1000 °C. Je nach der chemischen Zusammensetzung der Lava variiert ihre Temperatur in Bereichen zwischen 800 und 1200 °C. Solche Temperaturen treten teilweise schon in Tiefen von 30-40 km, also in der Lithosphäre (von griechisch lithos = Stein), der äußersten und erkalteten Schale der Erde, auf. Zumeist werden sie aber erst in 75-250 km Tiefe in der Asthenosphäre (von griechisch asthenos = weich) erreicht. Wir wissen jedoch durch die Auswertung von Erdbebenwellen, dass die Asthenosphäre durch den enormen Druck, der von Seiten der Lithosphäre auf ihr lastet, trotz großer Hitze nicht flüssig ist, sondern plastisch reagiert und somit eher fest ist. Der Druck wirkt der Verflüssigung entgegen.
Zur Aufschmelzung und Bildung von Magma kommt es nur bei Störungen der vorherrschenden Druck- und Temperaturverhältnisse, also dort, wo die Temperaturen im Verhältnis zum Druck sehr hoch sind oder, wo der Druck auf die heißen, plastischen Gesteinsmassen nachlässt. Diese Störungen finden wir dort, wo sich Lithosphärenplatten trennen, und dort, wo eine Platte unter die andere abtaucht. Durch Konvektionsströmungen steigt plastisches Mantelmaterial entlang der Naht von zwei sich trennenden Platten, etwa an mittelozeanischen Rücken, nach oben. Die Druckentlastung entlang dieser Trennungslinie führt zum Schmelzen des plastischen Materials. Wo eine Platte unter der anderen abtaucht, wird das Gleichgewicht in der Asthenosphäre dadurch gestört, dass Reibungshitze entsteht und die Temperatur im Verhältnis zum Druck sehr hoch wird. Zudem werden wasserreiche Sedimente des Ozeanbodens bei der Kollision einer ozeanischen Platte mit einer kontinentalen Platte in die Tiefe gezogen, wodurch die Schmelztemperatur des Gesteins herabgesetzt wird. Aus diesen Gründen treten Vulkane in ganz bestimmten Zonen und Gürteln der Erde auf, den Grenzen der Lithosphärenplatten. Einige Mineralien im Mantel schmelzen bei niedrigeren Temperaturen eher als andere. Das entstehende Magma ist daher eine zähe Flüssigkeit, die zwischen heißen, aber immer noch festen Kristallen entsteht. Der Geologe bezeichnet diesen Bereich als partiell geschmolzene Zone. Die Magmabildung ist also mit einer Mineraltrennung nach Chemismus, Schmelzpunkt und Dichte verbunden. Jeder Temperaturbereich bildet daher eine bestimmte partielle Schmelze.
Durch diesen komplexen Prozess können sich bei unterschiedlichen Temperaturen verschiedene Magmen bilden. Das meiste Magma ist von seiner Zusammensetzung her basaltisch. Flüssiges Gestein hat eine geringere Dichte als festes Gestein und steigt daher in Richtung Erdoberfläche. Durch Poren und Klüfte im überlagernden festen Gestein steigt es langsam aufwärts und bildet größere Magmanester. Letztendlich wird das umgebende Gestein aufgeschmolzen oder beiseite gedrängt, und es entstehen umfangreiche  Magmakammern, die in unterschiedlichsten Tiefen der Lithosphäre sitzen können. Ihre Größe kann Dimensionen von mehreren Kilometern erreichen. Von dort aus steigt das Magma infolge des sich aufbauenden Druckes durch Spalten oder Vulkanschlote hinauf an die Erdoberfläche und wird bei einer  Vulkaneruption zu Lava.              

Vulkanismus an mittelozeanischen Rücken:
An Stellen der Erde, an welchen sich tektonische Platten voneinander wegbewegen, füllen Vulkane die Trennungsnarben der auseinanderdriftenden Platten mit basaltischen Lavaströmen aus, sodass sich mittelozeanische Rücken und neuer Meeresboden bilden. Die Spalte zwischen den Platten reicht nach unten bis in die heiße Asthenosphäre. Diese Form des Vulkanismus wird als Riftvulkanismus bezeichnet und bedingt die volumenreichsten Lava-Eruptionen. An einigen Stellen der Erde reichen die Basaltmassen der mittelozeanischen Rücken bis über den Meeresspiegel und bilden Inseln. Ein bekanntes Beispiel ist Island. Durch diese Art von Vulkanismus entsteht permanent neues Plattenmaterial, während älterer Meeresboden an den Subduktionszonen verschluckt wird. Obwohl es bereits seit Jahrmilliarden Ozeane gibt, ist der Meeresboden infolge dieses Prozesses weltweit nicht älter als 200 Millionen Jahre.

Inselbogen- und Kontinentalrandvulkanismus:
Die gefährlichsten Vulkane stehen dort, wo eine Lithosphärenplatte unter einer anderen in die heiße Asthenosphäre abtaucht. Sie befinden sich einige Kilometer vom Plattenrand entfernt auf der überlagernden Platte und entstehen durch partielles Aufschmelzen der Gesteine im oberen Teil der abtauchenden Platte. Ihre Gefährlichkeit liegt in ihrem explosiven Charakter.
Ausbrüche werden von Schlammströmen und schweren Aschenregen begleitet. Zum Teil werden vulkanische Aschen durch Luftströmungen so weit transportiert, dass sie erst in großer Entfernung von einem aktiven Vulkan niederfallen.
Im Jahr 79 n. Chr. verschüttete der Vesuv die Stadt Pompeji und ihre Menschen mit einem Regen aus Bims und glühender Asche. Der römische Politiker und Schriftsteller Plinius der Jüngere berichtete in einem Brief an den Historiker Cornelius Tacitus über die Geschehnisse in Pompeji. Durch den Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt in eine dunkle Wolke gehüllt. Ein Regen aus Asche und kleinen Bimsstücken fiel auf die Stadt nieder. Hinzu kam ein immer stärker werdender Nebel aus erstickenden Schwefelgasen. Menschen fielen zu Boden und wurden rasch von einer Schicht aus Bims und Asche bedeckt. Die meisten Menschen hatten zwar den Bimssteinniederschlag überlebt, wurden aber mehrere Stunden später von  pyroklastischen Strömen überwältigt, die an den Hängen des Vesuvs hinabrasten. Ihre Leichen hinterließen Löcher in den vulkanischen Ablagerungen, die bei den Ausgrabungen mit Gips ausgegossen wurden. So wurden zusammengekrümmte Menschen wie versteinert sichtbar, die dem Besucher der Ausgrabungen ein dramatisches Bild vom katastrophalen Geschehen vor fast 2000 Jahren liefern.
Da beim Abtauchen einer ozeanischen Platte wasserreiche Sedimente des Meeresbodens mitgezogen werden, kann in der Subduktionszone Wasser verdampfen und durch seine Überhitzung eine explosive Tätigkeit der Vulkane fördern. Zudem wird der Schmelzpunkt des abtauchenden Gesteins durch das Wasser herabgesetzt. Es kann früher aufschmelzen und wegen seiner geringeren Dichte gegenüber kaltem Gestein nach oben steigen und parallel zum Plattenrand Vulkanreihen bilden. Ein wesentlicher Unterschied zum Vulkanismus an mittelozeanischen Rücken besteht darin, dass verschiedene Arten von vulkanischem Gestein gefördert werden. Aus der Asthenosphäre über der abtauchenden Platte stammt dünnflüssiger Basalt. An der abtauchenden Platte werden partiell basaltische Kruste und Ozeanbodensedimente aufgeschmolzen, wodurch andesitisches Magma entsteht, das wegen seiner hohen Zähflüssigkeit zu explosiven Ausbrüchen führt. Wo eine ozeanische Platte unter einer anderen ozeanischen Platte abtaucht, bilden sich durch den Vulkanismus auffällige Inselbögen. Beispiele sind der japanische Inselbogen mit dem Fujiyama und der Inselbogen der Philippinen.
Wird eine ozeanische Platte unter eine kontinentale Platte gezogen, bilden sich vulkanische Bergketten wie die Anden oder das Kaskadengebirge in Nordamerika. Einer der Vulkane des Kaskadengebirges ist der Mount St. Helens.

Vulkan:
Ein Vulkan ist eine Stelle an der Erdoberfläche, an der feste oder geschmolzene Gesteine sowie gasförmige Stoffe aus dem Erdinnern an die Oberfläche gefördert werden. Diese Stelle kann auf dem Land und auf dem Meeresboden liegen. Die Austrittsstellen sind als Schlote oder als Spalten in der Lithosphäre ausgebildet. Daher spricht man bei vulkanischen Ausbrüchen von Schlot- oder Zentraleruptionen und von Spalten- oder Lineareruptionen. Der Begriff “Vulkan“ wird jedoch auch für die geologischen Bauformen verwendet, die durch vulkanische Tätigkeit entstanden sind: die auffälligen und teilweise sehr hohen Vulkanberge. Das Wort "Vulkan" entwickelte sich in Anlehnung an die nördlich von Sizilien gelegene Insel "Vulcano". Wegen der häufigen Eruptionen auf ihr hielten sie die Römer für die Schmiede des Feuergottes Vulkanus.

Die Geburt von Vulkanen:
Die Entstehung eines neuen Vulkans ist ein vergleichsweise seltenes Ereignis. Die Geburt von Vulkanen verläuft zumeist nach demselben Schema: Zuerst treten über Tage oder Wochen Erdstöße auf. Dann erfolgt eine Aufwölbung des Untergrundes, Risse entstehen. Es entweichen Gase und Wasserdampf. Nun folgt die Räumung des Schlotes durch den explosiven Auswurf des umgebenden Gesteins. Dann dringt Magma empor und unter Entgasung werden Aschen und glühende Lavafetzen in Form von Lapilli (vulkanisches Auswurfmaterial in Nussgröße) und Bomben ausgeworfen. Durch die entstandene Erweiterung des Schlotes wird eine verstärkte Entgasung der Lava möglich. Die explosive Phase geht dann in eine effusive Phase über, sodass sich letztendlich Lavaströme ausbreiten können. In dieser Abfolge entstanden im Jahr 1963 die berühmte 1,4 qkm große Vulkaninsel Surtsey vor der Küste Islands und der Vulkan Eldafjell “Feuerberg“ auf der isländischen Insel Heimaey im Jahr 1973.

Das Ende von Vulkanen:
Nach dem Erlöschen der Vulkantätigkeit schreitet die Zerstörung, die dem Aufbau von Vulkanen von Anfang an entgegenarbeitet, schnell voran. Die Erosion legt immer tiefere Einschnitte in das Gebäude des Vulkans. Bevorzugt werden die vulkanischen Lockermassen abgetragen. Auf diese Art kommt es im Laufe der Zeit zur so genannten Reliefumkehr: Durch erkaltete Lavaströme ausgefüllte Täler werden nach und nach als Bergrücken freigelegt. An Stelle des ehemaligen Kraters erhebt sich nun eine kegelförmige Kuppe. Ein absterbender Vulkan wird aber nicht nur von außen her, sondern auch von innen heraus zerstört. Hört der Nachstrom der Lava auf, so kann das Dach der zum Teil entleerten Magmakammer in sich zusammenbrechen. An der Stelle des ehemaligen Vulkanberges entsteht eine Caldera, ein kesselartiges Becken, das zum Teil Durchmesser von mehreren Kilometern aufweisen kann.

Die Verbreitung von Vulkanen:
Die meisten Vulkane treten in auffälligen Gürteln, Ketten oder schmalen Linien auf.
Dieses Phänomen war den Wissenschaftlern lange Zeit ein Rätsel. Heute ist dieses Rätsel gelöst. Die Linien, Ketten und Gürtel mit Vulkanen markieren die Grenzen von großtektonischen Platten der Lithospähre, die auch Bereiche erhöhter Erdbebentätigkeit sind. (s. a. Theorie der Plattentektonik).
Der dabei vorherrschende Charakter des Vulkanismus verändert sich in Abhängigkeit vom Typ des Plattenrandes.

Untermeerische Vulkane in der Südsee erforscht:
Die
Universität Kiel leistet bei einer internationalen Tiefsee-Expedition Pionierarbeit.
In der Südsee, im Bereich des Tonga-Inselbogens brodelt es: In einer Wassertiefe zwischen 150 und 950 Metern sind Vulkane mit mächtigen Lavaströmen und metallreichen Ablagerungen in bisher nicht bekanntem Ausmaß aktiv. Auf einer Forschungskampagne im Südpazifik unter der Leitung der Kieler Universität haben Wissenschaftler zum ersten Mal heiße Quellen in diesem Gebiet mit einem Tauchboot untersucht. Die Inselbogen-Vulkankette erstreckt sich über 2500 Kilometer Länge von Neuseeland bis nach Tonga.
"Wir haben vollkommen neues Territorium erforscht und hydrothermale Aktivität von einer Intensität vorgefunden, wie wir sie nicht erwartet hatten", berichtet Professor Peter Stoffers, Leiter der Abteilung Marine und Terrestrische Geochemie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er leitete die gerade beendete 30-tägige Expedition mit den amerikanischen Forschungstauchbooten Pisces IV und V. "Bei unseren insgesamt 13 Tauchgängen fanden wir aktive so genannte Schornsteine aus Baryt, Anhydrit und Eisen-, Zink- und Kupfersulfiden mit Höhen bis zu zehn Metern. Die dort austretenden heißen Wässer haben Temperaturen bis zu 265 Grad Celsius. Außerdem konnten wir intensive Gasaustritte, weit verbreitete Schwefelabscheidungen und einen dichten Muschelbewuchs beobachten."
Bereits seit 2002 erforschen die Kieler Wissenschaftler die submarinen Vulkane entlang des Tonga-Kermadec Insebogens, die dadurch entstehen, dass die Pazifische unter die Indisch-Australische Platte abtaucht. Bei dieser so genannten Subduktion schmilzt die abtauchende Platte im Untergrund auf. Ein Teil dieser Schmelzen und die freigesetzten Fluide bahnen sich aus der Tiefe den Weg zurück an die Oberfläche und bilden den vulkanischen Inselbogen. "Unser Ziel ist es, Kenntnisse darüber zu erlangen, wie im Erdmantel die Schmelze entstehen, wie sich die Erdkruste entwickelt und welche Dynamik das Erdinnere aufweist", so Professor Stoffers.

Kontinentaler Riftvulkanismus:
Entsteht bei der Spaltung eines Kontinents. Charakteristisch dabei ist eine Grabenbildung, also die Entstehung eines Rift-Valleys, die durch basaltischen Vulkanismus charakterisiert ist. Ein bekanntes Beispiel hierfür liefert das ostafrikanische Rift-Valley. Die Grabenbildung und der Vulkanismus bilden dort offensichtlich das Anfangsstadium der Entstehung eines neuen Ozeans. Intraplattenvulkanismus: Einige Vulkane und Erscheinungen des Vulkanismus finden sich weit entfernt von ihren klassischen Verbreitungsgebieten, den Rändern der Lithosphärenplatten. Beispiele sind die hawaiianische Vulkankette und die großen Basaltdecken im Hochland von Dekan in Vorderindien. Die Entstehung der Vulkanketten innerhalb von Platten wird durch so genannte Hot Spots erklärt. Die großen Basaltdecken entstehen durch Spalteneruptionen von sehr flüssigem Basalt.

Lavaplateau:
In der Erdgeschichte kam es wiederholt zu gewaltigen, flächenhaften Lavaausflüssen, so genannten  Spalteneruptionen. Die dünnflüssige Lava tritt dabei nicht aus einem zentralen Vulkanschlot, sondern aus nebeneinander liegenden tiefreichenden Spalten im Untergrund aus. Die entstandenen Lavadecken bilden geomorphologische Großformen, die als Lavaplateaus, Plateaubasalt, Flutbasalt oder Trappdecke bezeichnet werden. Das Wort “Trapp“ dürfte wegen der treppenartigen Morphologie infolge der häufigen Übereinanderfolge von basaltischen Flächenergüssen entstanden sein. Große Lavaplateaus gibt es in Indien (Dekkantrapp), Island und an der Grenze zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay. In Mitteleuropa gibt es ähnliche Erscheinungen im Ronneburger Hügelland zwischen Vogelsberg und Untermainebene. Man geht heute davon aus, dass die gewaltigen Lavamengen, die beim Aufbau der großen Lavaplateaus ausflossen, zu globalen Klimaveränderungen führten. Einige Wissenschaftler vermuten daher einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen großen Spalteneruptionen und Artensterben, wie im Falle der Dinosaurier.

Vulkane und Klima:
Die Beeinflussung des Klimas durch vulkanische Aktivität ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und Diskussionen. Wenn eine gewaltige Aschewolke in die Atmosphäre aufsteigt, ist die lokale Auswirkung auf das Wettergeschehen dramatisch: Die Sonne wird verhüllt, der Aufstieg der Wolke führt zu gewaltigen Winden und die Feuchtigkeit, die in den aufsteigenden Gasen und der umgebenden Luft enthalten ist, kondensiert zu Regen. Mitunter ist eine Aschewolke derart mit Feinmaterial beladen, dass winzige Schlammkugeln statt Regentropfen herabfallen. Die meisten dieser Phänomene treten in der Nähe des Vulkans auf. Aschewolken können sich aber auch über Hunderte von Kilometern ausbreiten. Diese lokalen bis regionalen Auswirkungen auf das Wetter sind bisweilen gewaltig und in Bezug auf den Luftverkehr z. B. auch sehr störend; sie haben aber meist keine Auswirkungen auf das Klima. Entscheidender ist die Rolle des Schwefels. Er wird als Schwefelwasserstoff, ein nach faulen Eiern riechendes Gas, und als stechend riechendes Schwefeldioxid ausgestoßen. In der Luft oxidiert der Schwefelwasserstoff rasch zu Schwefeldioxid, welches mit Wasser schweflige und schließlich feinste Schwefelsäure-Tröpfchen bildet. Die Menge an entstehenden Aerosolen bei vulkanischer Aktivität kann beträchtlich sein. Beim Ausbruch des El Chichon in Mexiko vom 28. März bis 4. April 1982 wurde der Aerosolgehalt in 25 km Höhe auf 12-20 Millionen Tonnen mit einem 99 %igem Schwefeläure-Gehalt geschätzt. Noch größere Aerosolmengen erzeugte der philippinische Pinatubo im Jahr 1991 mit 30 Millionen Tonnen. Wie die Bilder des US-Wettersatelliten NOAA-11 zeigten, umrundeten sie die Erde in 22 Tagen. Die Aerosole dämpfen die Sonnenstrahlen wie ein Filter. Sie streuen das einfallende Sonnenlicht und vergrößern die Albedo, also das Rückstrahlvermögen. Die dadurch bedingte globale Temperaturabnahme betrug im Fall des Pinatuboausbruches -0,3 bis -0,5 °C. Im Fall des El Chichon-Ereignisses waren es -0,2 °C. Bereits beim Ausbruch des Laki auf Island im Jahre 1783 wurde ein Abkühlungseffekt beobachtet. Die gesamte Nordhalbkugel erlebte einen ungewöhnlich strengen Winter.

Vorhersage von Vulkanausbrüchen:
Vulkangebiete haben meist sehr fruchtbare Böden und sind daher dicht besiedelt. Die Vorhersage von Vulkanausbrüchen ist angesichts der möglichen Verwüstungen in diesen Gebieten daher von größter Wichtigkeit. Die Aktivität von Vulkanen wurde einst anhand von Druck- und Temperaturverhältnissen abgeschätzt. Dazu musste man schlotnahe Bohrungen vornehmen. Heute verlässt man sich lieber auf den Seismometer und andere moderne Messgeräte. Am gebräuchlichsten ist die Verwendung von Neigungsmessern, mit denen jede kleine Veränderung an der Oberfläche eines Vulkans erfasst wird. Denn eine noch so kleine Anhebung der Gesteine kann eine bevorstehende Eruption ankündigen. Neigungsmesser, so genannte Tiltmeter, waren früher mit Wasserwaagen zu vergleichen und sehr hitzeempfindlich. Die neuen elektronischen Tiltmeter sind nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch unvorstellbar genau. Mit ihnen kann man auf einer ein Kilometer langen Messstrecke eine Anhebung von 1/100 mm feststellen. Mit Extensionsmetern kann die Dehnung der Oberfläche zwischen zwei Fixpunkten mittels Laserstrahl bestimmt werden. Auch hier ist die Messgenauigkeit sehr hoch. Auf 30 m lässt sich eine Veränderung von 0,3 tausendstel Millimeter nachweisen. Ergänzt werden diese Überwachungsmethoden durch Messungen von Gasemissionen. Trotzdem ist eine exakte Vorhersage bislang nicht möglich. Nur für intensiv und langfristig studierte Vulkane lassen sich gewisse Prognosen stellen, um gegebenenfalls die Bevölkerung auf bevorstehende Eruptionen vorzubereiten. Die Vulkanologie kennt heute die gefährlichen Vulkane der Welt, und aus der Untersuchung früherer Ablagerungen kann ihr Gefährdungspotential abgeschätzt werden. Sehr problematisch wird es allerdings bei solchen Ausbrüchen wie dem des Parícutin im Jahre 1943. Er brach urplötzlich aus dem Boden eines mexikanischen Maisfeldes hervor. Lediglich kleinere Erdstöße kündigten die Geburt des Vulkans an.
Amerikanische Wissenschaftler erproben derzeit ein neues Vorwarnsystem. Es basiert auf der Anwendung des Global Positioning Systems, es besteht aus einer Gruppe von Satelliten, die vom US-Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellt wurden. Sie befinden sich einige Tausend Kilometer von der Erde entfernt in einer Umlaufbahn. Grundlage der GPS-Technologie sind genaue Zeit- und Positionsinformationen. Jeder Satellit sendet permanent die Atom - Zeit und Standortinformationen. Ein GPS-Empfänger erhält Daten von mindestens drei Satelliten und kann daraus zentimetergenau seine eigene Position errechnen. GPS-Antennen sollen Untergrundverschiebungen, die auf einen Vulkanausbruch hinweisen, sichtbar machen und somit die Bevölkerung rechtzeitig warnen. Am 5452 m hohen Popocatepetl in Mexiko, der sicherlich am besten beobachtete Vulkan der Erde, wird das neue Warnsystem bereits getestet. Der seit 1994 wieder verstärkt aktive Vulkan bedroht zahlreiche kleine Dörfer, aber auch die Millionenstadt Mexiko City.