"Rekorde"
Die meistbefahrene
Wasserstraße - der Suez-Kanal
Welches sind die meist befahrenen Wasserstraßen der
Welt?
Klar an der Spitze der meist befahrenen
Wassestraßen steht der Suez-Kanal. 14
Prozent des weltweiten Handels und 41 Prozent aller Güter, die in den arabischen
Golf geliefert werden, schwimmen über die Wasserstraße zwischen Mittelmeer und
Indischem Ozean. Im Jahr 1978 passierte eine Rekordzahl von 21 266 Schiffen den
Kanal. Danach nahm die Ziffer ab. 1994 registrierte die Kanalbehörde im
ägyptischen Port Said nur noch 16 370 Schiffe. In der jüngeren Vergangenheit hat
der Transport allerdings wieder zugenommen (1996: 18 442 Schiffe). Außerdem ist
auffällig, dass die Menge der transportierten Güter zunimmt, obwohl häufig die
Zahl der Schiffe kleiner wurde (1996: 444 Millionen Tonnen; 1978: 248 Millionen
Tonnen).
Der Suez-Kanal quert die
Wüstengebiete am Westrand der Halbinsel Sinai in Ägypten und verbindet das
Mittelländische Meer mit dem Roten Meer. Der Suezkanal verkürzt die Seewege
z. B. von London nach Abadan (Iran) oder nach Mumbai (Indien) um 42%, nach
Mombasa (Kenia) oder nach Singapur um etwa 30%, von Neapel nach Mitsiwa
(Eritrea) sogar um 80%. Der Suezkanal ist 162,5 km lang, 38 km entfallen auf
dazwischenliegende Binnenseen. An der Oberfläche ist er 300-365 m (Fahrrinne
180 m), an der Sohle durchschnittlich 107 m breit und 21 m tief. Bei seiner
Eröffnung 1869 war der Kanal nur 22 m breit und 8 m tief. Heute ist er für
Seeschiffe befahrbar. Während der Stilllegung des Kanals 1967-1975 musste sich
die internationale Schifffahrt auf die Kaproute umstellen und entwickelte die
Großtanker, für die der Kanal nicht befahrbar ist. Die Ölfracht macht heute
deshalb nur rund 25% der Gesamtladungen aus (1966 noch 73%). Ein Ausbau des
Kanals für Großtanker wird projektiert. Ägypten plant die Untertunnelung des
Suezkanals bei Isma'iliyah und Qantarah; bei Suez wurde der erste Straßentunnel
1980 fertig gestellt.
Etwas zu seiner Geschichte:
Die verkehrstechnischen und handelspolitischen Chancen eines
Mittelmeer und Rotes Meer verbindenden Wasserwegs wurden schon im Altertum
erkannt. Im 13. Jahrhundert v. Chr. bauten Ägyptens Pharaonen den ersten Kanal
vom Nildelta zum Golf von Suez, der nach mehreren Erneuerungen erst im 8.
Jahrhundert versandete. Napoleons Kanalprojekt (1798) wurde nicht
verwirklicht. 1854 wurde ein Konzessionsvertrag zwischen dem ägyptischen
Vizekönig Said und F. de Lesseps geschlossen, unter dessen Leitung der Kanal zwischen 1859
und 1869 nach den Plänen des Österreichers A. Negrelli mit 16,6 Mio. Pfund Kosten errichtet wurde. Am 17. 11.
1869 erfolgte die feierliche Eröffnung.
Die Aktien der Suezkanal-Gesellschaft (Compagnie Universelle
du Canal Maritime de Suez), die einen bis 1968 befristeten
Konzessionsvertrag besaß, waren ursprünglich zwischen Frankreich und Ägypten
aufgeteilt. Großbritannien erwarb 1875 den Aktienbesitz des ägyptischen
Vizekönigs und besetzte 1882 Ägypten und die Kanalzone. 1888 wurde die
Internationale Suezkanal-Konvention geschlossen, die die Freiheit der
Schifffahrt im Suezkanal sicherte. Nach der Gründung des Staats Israel 1948
sperrte Ägypten den Suezkanal für alle israelischen Schiffe und zeitweilig auch
für Lieferungen nach Israel unter anderer Flagge. Die letzten britischen Truppen
hatten die Suezkanalzone im Juni 1956 verlassen. Kurz darauf, am 26. 7. 1956,
verkündete Ägypten die Nationalisierung des Suezkanals. Daraufhin griffen am 29.
10. 1956 israelische, britische und französische Truppen Ägypten an
(Suezkrise). Das Eingreifen der UN und besonders der USA und der
Sowjetunion führte rasch zur Feuereinstellung und bis zum 22. 12. 1956 zur
Räumung der Kanalzone. Der Suezkanal war bis April 1957 durch versenkte Schiffe
gesperrt.
Im Juni 1967 legte der 3. israelisch-arabische Krieg
(Sechstagekrieg) den Suezkanal erneut still. Seit 9. 6. 1967 war das ganze
Ostufer zwischen Suez und Port Said in israelischer Hand. Die von den UN
angeordnete Feuereinstellung wurde in der Folgezeit immer wieder gebrochen. Im
August 1970 trat durch Vermittlung des US-amerikanischen Außenministers Rogers
erneut Waffenruhe ein.
Die im 4. israelisch-arabischen Krieg im Oktober 1973 auf dem
Westufer gewonnenen Brückenköpfe wurden von den Israelis wieder geräumt.
UN-Truppen besetzten eine Pufferzone östlich des Kanals. Seit Mitte 1975 ist der
Suezkanal wieder befahrbar.
Ebenfalls viel befahren: Der Panama-Kanal
Durch die Panamakanal-Zone fahren
im Vergleich zum Suez-Kanal "nur" rund 13 000 Schiffe
jährlich.
Der Panamakanal hat nämlich einen entscheidenden Nachteil: Schiffe
über 12 Meter Tiefgang können die Wasserstraße nicht passieren. Daher scheiden 60 Prozent der Welthandelsflotte aus.
Seit
längerem wird deshalb ein Neubau des Kanals erwogen. Dennoch gilt der
Panamakanal als wichtigste Wasserstraße der amerikanischen
Kontinente.
Der Kanal liegt zwischen dem Pazifischen und dem Atlantischen Ozean in Zentralamerika,
in der Panamakanalzone,
durch die 55 km breite Landenge des Isthmus von Panama. Die Fahrrinne ist
81,6 km lang und hat eine Tiefe von 13,7 m, bei einer Mindestbreite von 152,4 m
(größte Breite 304,8 m); für den Betrieb der 3 Schleusenpaare sind 2 Staubecken
eingebaut, von denen das Gatunbecken mit 426 qkm das größte
ist. Der Kanal wird ausschließlich von Süßwasser gespeist, das beim Entleeren
der Schleusen ins Meer gespült wird. Die begrenzten Süßwasservorräte schränken
dabei vor allem in Dürrejahren den Schiffsverkehr stark ein. Der Gedanke eines Kanaldurchstichs entstand schon zur Zeit Karls
V. Seine Verwirklichung wurde jedoch erst seit Entdeckung des
kalifornischen Golds geplant. Die von F. de Lesseps
gegründete „Compagnie universelle du Canal interocéanique de Panama“ begann 1879
mit den Arbeiten und musste 1889 Bankrott anmelden. Eine „Compagnie nouvelle du
Canal de Panama“ scheiterte 1894-1899 ebenfalls an finanziellen Schwierigkeiten.
Darauf erwarben die USA 1901 das
alleinige Recht zur Fertigstellung des Kanals. Als Verhandlungen mit Kolumbien
über die Abtretung der Kanalzone nicht zum Ziel führten, unterstützten die USA
1903 die Gründung der Republik Panama und kauften von dieser das Kanalbaugebiet.
Am 15. 8. 1914 wurde der Kanal eröffnet.
Zum 1.1.2000 gingen die Hoheitsrechte an der Kanalzone von den USA vollständig
auf Panama über.