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 Tiefster Süßwassersee

 


"Rekorde"
                           
                                                                                                          

Der tiefste Süßwassersee - Der Baikalsee

Rätselhaft und rau gebärdet sich Sibirien, das Land der strengen Winter. Eisige Winde und wütendes Schneegestöber begleiten die Sehnsucht der Reisenden, die sie an die Ufer des Baikalsees führt. Wer an ihm verweilt und einen Becher des "zauberkräftigen" Wassers geschöpft hat, wird sein Leben lang den unbändigen Wunsch verspüren, wieder zurückzukehren.
Dieser See ist mit 1637 Metern der tiefste, und er ist außerdem das älteste Süßwasserbinnengewässer der Erde, in das über 300 große und kleine Flüsse münden. Ein Fünftel des Süßwasservorrates der Erde füllt dieses gigantische sibirische "Meer", das von hohen Gebirgen gesäumt wird. Nur ein Strom, die Angara, verlässt den See. "Alten, grauen, grimmigen Mann" nennen die Sibirjaken den Baikalsee und "heiliges Meer", denn die quellklare Perle Sibiriens als See zu bezeichnen käme einer Beleidigung gleich. In seinen Aufzeichnungen äußerte sich der europäische Gesandte Isbrant Ides am Ende des 17. Jahrhunderts: "Als ich das Kloster des Heiligen Nikolaus, das an der Mündung der Angara liegt, verlassen hatte, begab ich mich auf den See hinaus. Viele Menschen warnten mich zuvor mit großem Eifer und flehten mich an, beim Auslaufen ins wilde Wasser ja nicht >See< zu sagen, sondern >Dalai< oder >Meer<. Und sie fügten hinzu, dass schon viele vortreffliche Menschen, die sich zum Baikal auf den Weg gemacht und ihn nur als See - will sagen stehendes Wasser - bezeichnet hatten, alsbald die Opfer heftiger Stürme wurden oder doch mindestens in Todesgefahr gerieten."
Der Baikalsee ist eine riesige Grabenbruchrinne, deren Entstehung auf gewaltige tektonische Bewegungen zurückgeht. Der See verfügt über ein einzigartiges Klima und ein weltweit einmaliges Ökosystem. Hier leben einige hundert Tierarten wie auch die nur im Baikalsee vorkommende, auf dem Rücken graubraun- und am Bauch silberfarbene, bis zu 90 Kilogramm schwere Baikal-Ringelrobbe. Den Winter verbringen die Robben zumeist im Südteil des Sees im Wasser, kommen aber durch die Luftlöcher, die sie sich selbst schlagen, auch auf die Eisfläche. Dort liegen sie dann stundenlang, besonders im April und Mai, wenn sie die erste Frühjahrssonne genießen. Trotz der strengen sibirischen Winter bildet sich auf dem See erst im Januar eine mehrere Meter dicke Eisschicht heraus, über die dann auch der Autoverkehr rollt, ehe im Mai das Eis wieder dünner wird und sich der See allmählich von seiner schweren Last befreit. Die oberen Wasserschichten bevölkert der winzige Epischura-Krebs. Er filtert das Wasser unaufhörlich, so dass man an sauberen Stellen des Sees bis zu 40 Meter tief blicken kann. "Das Wasser des Baikal ist türkisfarben und klarer als das des Schwarzen Meeres. Man sagt, dass man an tiefen Stellen bis zu einem Werst - dies ist mehr als ein Kilometer - weit sehen könne. Ich habe solche Stellen selbst sehen können mit ihren Felsen und Bergen, die in Türkis versunken sind, so dass es mir eiskalt über die Haut lief", schildert der durch impressionistische Stimmungsdramen bekannt gewordene russische Schriftsteller Anton Pawlowitsch Tschechow den See.
Der Stolz der Baikalfischer ist der Omul, ein der Renke verwandter Fisch, der ursprünglich im Salzwasser zu Hause war. Artenreichtum und Vielfalt der im See lebenden Pflanzen- und Tierwelt beschäftigen Gelehrte aus aller Welt.
Doch noch immer sind viele Fragen unbeantwortet geblieben, hat sich der Baikalsee seine Geheimnisse und der Mensch seine Schwärmerei bewahrt, so wie einer der bekanntesten Schriftsteller Sibiriens, Walentin Grigorjewitsch Rasputin: "Der Baikal, sollte man meinen, müsse den Menschen durch seine Majestät und Größe erdrücken, denn er ist ungebärlich und rätselhaft. Doch er läßt den Menschen über sich hinauswachsen. Am Baikalsee durchflutet einen das seltene Gefühl der Gehobenheit und Vergeistigung, als habe man das Siegel der Ewigkeit und der Vollendung berührt, als streife einen der Atem der Allmacht. Man ist, so erscheint es einem, schon allein dadurch begnadet, dass man an diesen Ufern stehen, diese Luft atmen und dieses Wasser trinken darf. Nirgendwo sonst wird man jemals wieder so deutlich und so vollkommen die ersehnte Verschmelzung mit der Natur empfinden."

Hier noch einige Fakten:

Schutzgebiet von 88 000 km2 mit dem 25 Mio. Jahre alten und bis zu 1637 m tiefen Baikalsee mit einer Oberfläche von 31 500 km2, einer Sichttiefe von bis zu 40 m sowie einer Ausdehnung von 636 km Länge und bis zu 80 km Breite; 20% der weltweit vorhandenen ungefrorenen Süßwasserreserve; 1987 Unterschutzstellung einer 56 500 km2 großen Schutzzone des Baikalsees, in den 365 Flüsse fließen; 1998 Prozess gegen Papierfabrik wegen Einleitung von 210 000 m3 verschmutzter Abwässer; 1999 verenden 150 Robben infolge der Umweltverschmutzung
Kontinent: Asien
Land: Russland, Südost-Sibirien
Ort: zwischen Irkutsk, Nizneangarsk, Ulan-Ude und Sljudjanka
Ernennung: 1996
Bedeutung: das "Galápagos Russlands" und der älteste und tiefste See der Welt mit der weltweit reichsten und ungewöhnlichsten Süßwasserfauna
Flora und Fauna: Lärchenarten wie Larix dahurica, Kiefernarten wie Pinus sibirica, zudem Erlenarten wie Alnus glutinosa; 1500 im Wasser lebende Arten, darunter 80 Flachwurmarten, aber vor allem die Baikal-Ringelrobbe; Landsäugetierarten wie Nördlicher Pfeifhase, Sibirisches Feuerwiesel, Zobel, Vielfraß, Elch, Sibirischer Rothirsch; Vogelarten wie Seeadler, Alpenschnee- und Auerhuhn, Malayen-Wespenbussard, Schwarzmilan