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 Steuer-Skandale

 

Sonstiges

Steuer-Skandale 2006: So verpulvern sie unser Geld

Bis zu 30 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, so schätzt der Bund der Steuerzahler, wurden im Jahr 2006 bislang für unsinnige Projekte verschwendet. Das Schwarzbuch listet die schlimmsten Fälle auf.

Es sind nicht immer gleich Millionen, die durch falsche Prognosen, Fehlplanungen, unvorhergesehene Ereignisse oder schlicht Schludrigkeit verpulvert werden. So wurde etwa die Umbenennung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Wunsch des CSU-Ministers betrieben. Grund: Man wollte sich nach der Wahl 2005 von der grünen Amtsvorgängerin abheben. Kostenpunkt für den Steuerzahler: 15.000 Euro.

Die Beträge summieren sich, so dass am Ende geschätzte 30 Milliarden Euro zusammenkommen, die die Staatsdiener für unsinnige oder undurchführbare Projekte quasi aus dem Fenster werfen.

Da die Politiker, die sich der Steuerverschwendung schuldig gemacht haben, nicht persönlich für die entstehenden Schäden haftbar gemacht werden können, fordert der Bund der Steuerzahler, den Straftatbestand der Amtsuntreue einzuführen.

Brücke ohne Anbindung
Die Brettachtalbrücke in Neuenstadt bei Heilbronn wurde im Sommer letzten Jahres fertiggestellt.
Benutzt werden kann sie jedoch nicht, da es voraussichtlich noch bis Ende 2007 dauern wird, bis es eine Anbindungsstraße gibt.
Interessant auch die Begründung für die Verzögerung: Die zuständige Behörde habe wegen dringenderer Projekte keine Zeit für die Fertigstellung des Brettachtal-Vohabens gehab
t.

Schmutzige Gehwegplatten
 In Hamburg sollte die Flaniermeile „Jungfernstieg“ neu gestaltet und aufgehübscht werden, unter anderem mit dem Ziel, dort auch Volksfeste abhalten zu können. Die Stadt Hamburg war bereit, vier Millionen Euro beizusteuern. Die restlichen elf Millionen sollten durch Spenden aufgebracht werden. Nach Abschluss der Arbeiten stellte sich heraus, dass das 550.000 Euro teure helle Pflaster der Marke Jungfernstieg viel zu schmutzempfindlich ist. Eis, Saft, heiße Speisen, das Laub der Silberlinden und natürlich Kaugummis hinterlassen hässliche Flecken. Allein die Reinigung der Platten vom Kaugummi kostet jedes Mal bis zu 40.000 Euro
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Mickerige Spenden bei Sportgala
Eine Sportgala zugunsten des UNICEF-Kinderhilfswerks in Südafrika, organisiert von der hessischen Landesregierung wurde ebenfalls zum Flop für den Steuerzahler. Vergleichsweise läppische 20.000 Euro an Spenden kamen dabei zusammen. Nicht gerade ergiebig im Vergleich zu den 180.000 Euro, die die Ausrichtung der Gala die Stadt Wiesbaden, die landeseigene Hessen-Agentur und die Lotto-Treuhandgesellschaft gekostet hat.
Den Kindern in Südafrika wären mehr geholfen gewesen, hätte man ihnen statt der Spenden gleich die Kosten für die Ausrichtung der Gala zukommen lassen.

"Überdimensinale" Straßenbahn
Teil des Kasseler „Regiotram-Projektes“ war auch die Anschaffung neuer Straßenbahnen. Dabei wurde jedoch nicht mitbedacht, dass die bisherigen Bahnen 25 Zentimeter schmaler sind. Um das sichere Aneinandervorbeifahren der neuen Bahnen zu gewährleisten, mussten etliche Straßen neu gestaltet, Bürgersteige zurückverlegt und Gleise weiter auseinandergelegt werden. Die endgültige Summe für die Umbaumaßnahmen steht noch nicht fest, dürfte sich aber auf etliche hunderttausend Euro belaufen.

Gefändete Landeszentralkasse
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern beauftragte einen bekannten Naturdokumentarfilmer damit, das Jahrhunderthochwasser der Elbe aus dem Hubschrauber zu dokumentieren und aus dem Material einen Film zu schneiden. Für die gesamte Arbeit berechnete er 18.297 Euro. Obwohl die Ministerialbeamten den fertigen Film zuerst abnahmen, weigerten sie sich später, die vertraglich vereinbarte Summe zu zahlen, da das Material ihrer Auffassung nach nicht die nötige Qualität besitze und sich außerdem auch nicht vervielfältigen lasse. Den darauf folgenden Rechtsstreit verlor das Umweltministerium. Trotzdem weigerte es sich zu zahlen, bis die Landeskonten gesperrt und die Landeszentralkasse gepfändet wurde.

Grundsteuernachzahlung
Die kleine Gemeinde Clenze im Landkreis Lüchow-Dannenberg verschickte kürzlich einen Grundsteuerbescheid über sage und schreibe 30 Cent. Da der Hebesatz angehoben worden war, musste der Besitzer von 5,71 Hektar Wald den genannten Betrag nachzahlen. Bedenkt man jedoch, dass jeder Steuerbescheid die Verwaltung durchschnittlich sieben Euro kostet, verliert das Argument des Bürgermeisters von Clenze, Kleinvieh mache auch Mist, seine Stichhaltigkeit. Der Waldbesitzer muss also weiterhin zweimal jährlich 1,22 Euro an die Steuerkasse überweisen, obwohl es für ihn selbst und auch für die Gemeinde günstiger wäre, die Minibeträge für ein paar Jahre im Voraus zu zahlen. Dies sei aber aus buchhalterischen Gründen nicht möglich.

Unibibliothek mit Dach-Fehlerkonstruktion
Die Magdeburger Otto-von Guericke-Universität erhielt 2003 eine neue Bibliothek, deren Dach jedoch fehlkonstruiert ist. Im Sommer ist die Bibliothek zu heiß, im Winter zu kalt und außerdem regnet es hinein.
Da eine der Baufirmen mittlerweile pleite gegangen ist, wird es schwer sein, Regressansprüche zu stellen.
Also wird der Bund die etwa fünf Millionen Euro für die Dachsanierung aufbringen müssen.

Fehlerhaftes Parkleitsystem
Im Schleswig-Holsteinischen Itzehoe wurde bereits 1994 mit einem Parkleitsystem experimentiert. 20.000 Euro wurden damals ausgegeben. 1998 wurde es durch ein funkgesteuertes, dynamisches System ersetzt. Kostenpunkt diesmal: 284.000 Euro. Hinzu kamen jährliche Betriebskosten in Höhe von etwa 18.000 Euro. Doch da auch dieses System nicht richtig funktioniert, haben die Stadtoberen das Projekt kürzlich ganz aufgegeben und sind – zehn Jahre und 500.000 Euro später – zu den guten alten Hinweisschildern zurückgekehrt.

Kreisverkehr mit zu geringem Durchmesser
Verkehrskreise sind, wenn sie denn die richtigen Ausmaße haben, gute Alternativen zu traditionellen Ampelkreuzungen. Beim Bau zweier Kreisel bei der Autobahnabfahrt Trappenkamp hatten sich die Planer jedoch offenbar verschätzt. Für Lastwagen und Sattelschlepper mit Überlänge waren sie zu klein geraten. Diese zerstörten die Verkehrsinseln und Bordsteine. Die anschließende Verbreiterung um einen Meter kostete den Steuerzahler 56.000 Euro.

Neues Zuhause für Landgericht
Das Mühlhausener Landgericht hatte 1996 einen Bauantrag gestellt, um Gericht und Staatsanwaltschaft, die bis dahin in verschiedenen Gebäuden untergebracht waren, zusammenzulegen. Obwohl zunächst in den Haushalt von 2002 mit einem Kostenumfang von 23 Millionen eingeplant, wurde der Bau wegen der schlechten Finanzhaushaltslage nicht realisiert. Dann gab es Pläne, den Gerichtsstandort Mühlhausen ganz aufzulösen, wogegen sich der Landkreis jedoch erfolgreich wehrte. Mittlerweile sind Gericht und Staatsanwaltschaft wieder in Mietobjekten untergebracht. Die Kosten für die Vorbereitung der Baumaßnahmen betrugen 3.240.609 Euro. Viel Geld, mit dem sich für einige Zeit die jetzige Miete hätte bezahlen lassen.


Steuersünden 2005

Deutsche Bibliothek in Warschau
Das Deutsche Historische Institut in Warschau benötigte neue Räume für seine Bibliothek. Trotz Bedenken des Bundesministeriums für Bildung und Forschung kaufte die Institutsleitung ein zu kleines Objekt für sechs Millionen Euro. Nun muss das Gebäude unterkellert werden, um zusätzlichen Raum zu schaffen. Das wird weitere
600.000 Euro kosten.

Info-Broschüren der Regierung
Viel Geld für sinnlose Informationen - den Vorwurf muss sich die rot-grüne-Bundesregierung gefallen lassen. Für eine sechsseitige Medienbeilage zum Thema "Agenda 2010 - Deutschland bewegt sich" wurden
522.810 Euro ausgegeben.
Das gilt auch für den Geschäftsbericht der Bundesregierung 2003 / 2004. Für den 76-seitigen Bildband, gespickt mit vielen Slogans aber wenig Informationen, musste der Steuerzahler insgesamt
284.000 Euro berappen

ICE - Strecke Nürnberg - Ingolstadt - München
Bereits 1995 bahnte sich ein finanzielle Fiasko für die ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München an. Zum Ärger des Steuerzahlers ist dieses auch eingetreten. Aus den veranschlagten Baukosten von damals 2,7 Milliarden DM sind inzwischen 3,6 Milliarden Euro geworden.
Das Gelände war für das Bauvorhaben nicht geeignet - es mussten zahlreiche Tunnel gebaut und Erdspalten aufgefüllt werden. Statt über Ingolstadt hätte die Strecke auch über Augsburg führen können. Das hätte die Fahrzeit um 23 Minuten erhöht, aber über
eine Milliarde Euro Steuergelder gespart.

Flughäfen in Mecklenburg-Vorpommern
Auch im Luftverkehr werden Millionen in die Luft gepustet. Seit der Wiedervereinigung investierte das Land Mecklenburg-Vorpommern fast 122 Millionen Euro in den Ausbau leer stehender Militärflugplätze für den Passagierverkehr. Am tatsächlichen Fracht- und Passagieraufkommen wurde schlichtweg vorbeigebaut. Der Flugplatz Schwerin-Parchim beispielsweise wurde für
35 Millionen Euro modernisiert - im letzten Jahr wurden 4.671 Fluggäste gezählt.

Parkplatz in Berlin
Ein teures Grundstück leistet sich die hessische Landesvertretung in Berlin. Sie kaufte dem Bund ein 4.200 Quadratmeter großes Grundstück ab. Kostenpunkt: 8,2 Millionen Euro plus 310.000 Euro Erwerbsnebenkosten. Bis geklärt ist, welchen Zweck das Grundstück erfüllen soll, wird es zu einem Parkplatz umgebaut

Panne bei der BfA
Technik-Pannen machen auch vor Mammutbehörden nicht halt - diese Erfahrung musste die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) machen. Die Rentenbehörde hatte bei einer Überprüfung von Kontoverbindungen mit Probleme zu kämpfen. Darauf bekamen 24.899 freiwillig Versicherte ein Schreiben, dass ihre Bankverbindung nicht mehr gültig sei. Das erwies sich als falsch. Also verschickte die BfA erneut 24.899 Schreiben um den Vorfall aufzuklären. Diese Panne kosteste rund
30.000 Euro.

Neues Logo für die Bundesagentur für Arbeit
Als moderner Dienstleister möchte sich die Bundesagentur für Arbeit darstellen. Das verstaubte Arbeitsamt-Image sollte der Vergangenheit angehören - folglich musste ein neues Logo her. Allein
100.000 Euro investierte die Bundesagentur in den Entwurf und Broschüren mit dem neuen Logo. Dazu kamen weitere 358.000 Euro für neue Dienstsiegel, Stempel und Amtsschilder.
Der Steuerzahler staunte nicht schlecht. Abgesehen von der Farbgebung unterscheidet sich das neue Logo kaum von dem alten.

German TV
Mit dem Bezahlsender "German TV" wollte der Bund weltweit über Ereignisse in Deutschland berichten. Seit Anfang 2002 verschlang das Projekt mehr als
20 Millionen Euro. Bei 70.000 Abonnenten hätte sich die Sache gerechnet - im Herbst vergangenen Jahres hatte "German TV" 10.000 Abonnenten. Im Juni dieses Jahres teilte der Bundestagsausschuss Kultur und Medien mit, dass keine weiteren Steuergelder investiert werden sollen.

Kernkraftwerk Stade
Die Abschaltung des Kernkraftwerkes wollte das Bundesumweltministerium gebührend feiern. 41.823 Euro kostete allein die "Atomausstiegsparty", zu der zahlreiche Politiker, Vertreter von Umweltverbänden und der Wirtschaft, sowie Journalisten und der Schauspieler Manfred Krug mit seiner Band geladen waren. Weitere Steuergelder investierte das Ministerium für PR-Maßnahmen zu diesem Anlass. Unter dem Strich musste der Steuerzahler
272.000 Euro für das Schulterklopfen anlässlich der Abschaltung berappen.

"Helix-Turmfischpass"
Eine Gewässerrichtlinie der EU zwang die kleine Gemeinde Raisdorf (Schleswig-Holstein) dazu, eine Wendeltreppe für Fische zu bauen. Seit 100 Jahren wird in dem Fluss Schwentine Wasser gestaut, um ein kleines Kraftwerk zu betreiben. Laut der EU-Richtlinie sollen Tiere die Möglichkeit haben, auf beide Seiten eines Staudamms zu gelangen. Also baute die Gemeinde eine 6,50 hohe Wendeltreppe (den Helix-Turmfischpass), durch die Fische und andere Wassertiere den Stamm überwinden können. Das Problem: Kaum ein Tier nutzt das
550.000 Euro teure Bauwerk, weil nur auf einer Seite des Staudamms geeigneter Lebensraum ist.

Quelle: Bund der Steuerzahler  

Aus: AOL vom 19.10.2006